Abitur in Zeiten von Corona

Hallo an alle interessierten Leser, die momentan wahrscheinlich genau wie ich von der Quarantäne betroffen sind. Hoffentlich hilft das ganze insofern, als dass man jetzt gesund bleibt und die Situation vielleicht irgendwann so weit in den Griff bekommt, dass jeder von uns sich wieder dem Alltag nähern kann.

Viele Gedanken werden die meisten wohl teilen. Wer hat nicht Großeltern, die aufgrund ihres Alters auf jeden Fall zur Risikogruppe gehören- oder aufgrund ihres Alters in anderen Ländern schon nicht mehr ausreichend versorgt werden könnten, da es den Krankenhäusern sowohl an Materialien als auch Menschen, die helfen können, mangelt? Und wer kennt nicht eine Person, die jetzt am Krankenhaus an “vorderster Front” kämpft oder jemanden, für den Corona aufgrund einer Vorerkrankung besonders gefährlich sein könnte?

Da ich in die Q2 gehe und dementsprechend in diesem Jahr mein Abitur machen sollte, kommt nochmal mehr Unsicherheit dazu. Die gesamte Oberstufe lang habe ich mir immer wieder gesagt, dass ich durchhalten will, um am Ende einen guten Abischnitt zu haben und bei den Unis eine gute Auswahl treffen zu können. Und genau darauf habe ich mich die letzten Monate immer mehr gefreut: ein Studiengang mit neuen Herausforderungen. Ein eingerenzteres Themenfeld (in dem ironischerweise auch Viren auftauchen). Ein nächster Schritt zu einem eigenen Leben und eine gezieltere Vorbereitung auf einen Beruf, in dem ich hoffentlich gerne arbeite- und darauf habe ich gewissermaßen ja jahrelang hingearbeitet, spätestens seit dem Zeitpunkt, an dem für mich klar war, dass ein Abitur in meiner Laufbahn sinnvoll ist.

Die (unbewusst) letzten Schultage waren für mich schon von dem Gedanken geprägt, dass das richtige Lernen in den Osterferien bald ansteht, ich dann die Prüfungen schaffen muss und einige Zeit später das Zeugnis bekomme, das mir die Bewerbung an Universitäten ermöglicht. Statt einer geregelten Alternative habe ich bisher vom Schulministerium aber nur eine Sache bekommen: Unsicherheit.

Niemand wird wohl eine perfekte Lösung kennen, die Situation überfordert die meisten. Nur leider macht das Ministerium nichts besser, wenn alle paar Tage neue, aber stets genau so schwammige Informationen wie davor kommen. Eigentlich sollten meine Prüfungen normal stattfinden- mir hätte Vorbereitung gefehlt, aber ich hätte die Möglichkeit eines normalen Zeitplans bekommen. Dann wurden die Prüfungen verschoben. Gut, also eben 2-3 Wochen mehr Zeit zum lernen. Als nächstes kam die Idee auf, man könnte uns ja am 20. April nochmal in die Schule schicken- weil ich auch so kurz vor den Prüfungen lieber 5 Stunden auf eine Stunde Sport warten soll, statt zu lernen?

Mit konkreten Informationen sah es eigentlich immer eher schlecht aus und die Verunsicherung bemerkt man auch in unserer Stufengruppe. Sollte ich jetzt ein Zeugnis bekommen haben oder nicht? Bleibt es jetzt dabei, was mir gesagt wurde, oder gibt es bald neue Änderungen?

Ein Durchschnittsabitur ist jetzt wohl doch wieder nicht ausgeschlossen. Was das Ministerium sich morgen überlegt? Eine sehr gute Frage. Ich hoffe aber, dass die Formulierung, dass die Beschlüsse “im Sinne der Abiturienten” getroffen werden, auch Realität wird. Denn für mich entsprachen die Beschlüsse bisher eher dem Gegenteil.

Vielleicht wird sich ja nochmal bewusst gemacht, dass wir umittelbar vor einem neuen Lebensabschnitt stehen und dafür aber in den meisten Fällen eben zuerst die Grundlage brauchen- unser Abi. Einige Leute brauchen auch einen NC, an diesen Stellen könnte jeder Punkt entscheidend sein. Stillstand oder immer neue Unsicherheiten sind also denkbar ungünstig. 

Für meinen Teil kann ich bisher also sagen: mein größter Wunsch für meine persönliche Laufbahn ist, dieses Jahr ein Studium zu beginnen, das nicht durch einen schlechteren Abschnitt beeinträchtigt wurde. 

Allgemein hoffe ich natürlich, dass man die Situation möglichst schnell und gut in den Griff bekommt- aus gesundheitlicher Sicht insbesondere, aber zum Beispiel auch auf die wirtschaftlichen Auswirkungen bezogen.

 

In diesem Sinne: vorerst wohl weiter zu Hause bleiben, Bücher sind eine gute Beschäftigung, wenn man nicht mit Lernen beschäftigt ist, wenn die Prüfungen stattfinden. Bleibt gesund und überlegt, für welche Dinge ihr sonst vielleicht nicht genug Zeit findet, denn wann sollte man sie in Angriff nehmen, wenn nicht jetzt?

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