Corona Logbuch – 1

Corona Wochen 1 und 2

So, nun auch von mir ein herzliches Hallo an alle Festgesetzten der Corona-Kriese. Ich möchte die Zeit nutzen, um einfach ein wenig aus meinem Virusalltag zu berichten. Die ersten Wochen waren unerwarteter Weise sehr aufregend. 

Schon vor dem Kontaktverbot wurde nach und nach der Umgang eingeschränkt. Während wir am 10. März noch den Geburtstag des Vater meines Freundes feierten, ich normal zur Arbeit ging und auch an der Uni noch verschieden Sprechstunden hatte, hieß es schon eine Woche Später: Der Shop (die @homefactory in Eiserfeld) wird geschlossen.
Heißt für mich: Keine Stunden, kein Gehalt. Als der Schock darüber überstanden war, kam der nächste: Die Gottesdienste, sowie Jugendgruppen und Hauskreise in meiner Gemeinde fallen aus, da Treffen mit mehr als 20 Leuten untersagt wurden.
Ich liebe die Gemeinschaft mit anderen Christen. Die sonst fast täglichen Treffen mit den Freunden würden jetzt also auch weitestgehend weg fallen. 
An der Uni wurden sämtliche Sprechstunden auf Videochats geschoben, die Abgabefristen für schriftliche Prüfungen verlängert und der Semesterbeginn verschoben. Soweit so gut. Wenn auch unschön, sind das alles wichtige Maßnahmen, um das Gesundheitswesen nicht zu überlasten.

Dann der 22.03: Kontaktverbot. Für mich als super extrovertierte Person, die immer gerne Leute um sich herum hat, schon fast ein Weltuntergang. Doch auf den zweiten Blick wurde mir klar, wie sehr ich jetzt eigentlich erst wirklich mit meinen Nachbarn, meinen Freunden und meiner Familie in Kontakt kommen kann. Wann hat man schon mal so viel Zeit seine Großeltern anzurufen, für die Nachbarin von gegenüber einkaufen zu gehen, oder seine Freundschaften so zu vertiefen.

Social Distancing heißt nicht, von den Menschen Abstand zu nehmen, sondern von deren Körpern. Es gibt in unserer digital globalisierten Welt quasi unbegrenzte Möglichkeiten trotz Distanz den Kontakt aufrecht zu erhalten. Für mich hieß das in der ersten Woche mit bei den Eltern meines Freundes einzuziehen, weil ich zu meinen Eltern nach Hause noch nicht durfte. Wir sind als “Schweiger-Familie” sehr zusammen gerückt. Es wurden verschiedene Räume bei ihnen, sowie meine Wohnung auf Vordermann gebracht, zusammen gesungen, gespielt, gekocht, “gehomeofficed” und Beziehungen gebaut, die nun wahrscheinlich jegliche Kriesen überstehen.
Am Wochenende durfte ich dann endlich zu meinen Eltern. Auch da haben wir als Familie die Zeit zusammen genossen. Viel zusammen gelacht, geweint und alte Erinnerungen aus meiner Schulzeit aufleben lassen. Es fühlte sich fast an wie die Zeit vor meinem Abitur. Man hat gewisse Verantwortungen und sitzt doch quasi nur zusammen rum, genießt den Frühling und kümmert sich später dann um die anstehenden Aufgaben. 

Seit Dienstag bin ich nun wieder in Siegen – Homeoffice für die Uni. Die ersten Tage nun, die ich in der Quarantäne wirklich alleine bin. Und auch hier lerne ich jemanden ganz neu kennen. Mich selber. Als jemand, der sonst sehr viel für andere auf Achse ist, lerne ich die Zeit für und mit mir selber neu lieben. Sich selber neu lieben zu lernen und so intensiv wieder neu Beziehungen zu anderen zu bauen kann anstrengend sein, vor allem, wenn man dabei nicht grade mal in den Arm genommen werden kann.
Aber haltet den Kopf oben, denn wie der Vers im Bild oben schon sagt: “Aber alle, die ihre Hoffnung auf den Herrn setzten, bekommen neue Kraft.” – Jesaja 40.31.

Damit: Bleibt gesund und bis zum nächsten Corona Logbuch – Eintrag.

Mira

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