Diakonisches Praktikum im Blindenwerk Westfalen

Ich mache mein diakonisches Praktikum im Blindenwerk Westfalen in Valbert und wollte kurz über bereits vergangene Zeit dort berichten. Das Haus ist in Wohnheim und Werkstatt aufgeteilt, wobei ich in der Werkstatt bin. Die Zeit im Förderbereich der Werkstatt ist am vergangenen Freitag (28.06.2019) vorbei gegangen. Dort sind Menschen die ohne fremde Hilfe nicht leben können. Das heißt manche sind an Rollstühle gebunden, so gut wie alle sind blind bis auf ein paar, die noch ein wenig rest Sehvermögen haben, sprechen kann da eigentlich keiner bis auf ein paar Worte oder Buchstaben bzw. Laute. Dazu sind manche nicht in der Lage zu essen und werden daher durch eine PDA ernährt (ein Schlauch der direkt in den Magen führt wodurch die künstliche Nahrung eingeflößt wird). Obwohl jeder von den Beschäftigten behindert ist, sind sie alle unterschiedlich und haben ihre eigenen Ticks und Gewohnheiten. Daher waren meine ersten zwei Tage besonders schwer für mich. Der eine wird auf einmal aggressiv, die andere läuft hinter dir her und schlägt sich ins Gesicht. Dann gibt es einen der sich die Hose ständig runter zieht oder sein essen hochwürgt und dieses dann  mit den fingern als Kügelchen formt oder es gibt wiederrum einen der total lustlos ist und sich auf den Boden setzt wenn er keine lust auf etwas hat. Trotzdem musste ich auch feststellen das die Beschäftigten mehr mitbekommen als man letztendlich vermutet. Der Tagesablauf im Förderbereich ist normalerweise jeden Tag gleich doch eigentlich bestimmt die Stimmung der Beschäftigten wie der Tag abläuft. Denn auch die haben mal gute und auch schlechte Tage. Sonst fängt es morgens um 7:45 Uhr mit einer Besprechung mit allen Mitarbeitern an bevor um 8 uhr dann die Beschäftigten kommen. Wenn alle da sind wird ein Anfangslied (Danke für diesen guten Morgen) gesungen und anschließend Geschichten vorgelesen. Danach bin ich meist mit einem Mitarbeiter mit denen draußen auf dem Gelände spazieren gegangen, wobei man sichtlich gemerkt hat, dass sie die frische Luft und die vielen Geräusche genießen. Dann werden die, die es können und lust drauf haben an ihre “Arbeit” gesetzt. Dabei geht es eher um die Förderung derer Fingerfertigkeit als irgendetwas wirklich herzustellen. Um 11:30 uhr gibt es dann Mittagessen für alle, ausgeschlossen derer die künstlich ernährt werden, diese werden in ein Ruhezimmer zum schlafen gelegt. Die meisten brauchen beim essen bestimmtes Besteck oder müssen auch gefüttert werden. Danach bin ich meist nochmal mit den Beschäftigten raus gegangen oder habe mit ihnen laufen gelernt.
Generell ist der Arbeitstag im Förderbereich eher entspannt aber dennoch anstrengend. Eigentlich kann man sich das vorstellen wie ein Kindergarten nur mit Erwachsenen, da alle im Kopf nicht ihrem wahren Alter entsprechen, aber körperlich halt nicht.
Durch Gespräche mit den Mitarbeitern habe ich erfahren warum diese Menschen überhaupt so erkrankt sind. Manche sind halt einfach so behindert geboren, doch zum Beispiel bei einer Frau ist ihre Behinderung die Folge von Misshandlung von ihrer Mutter während der Schwangerschaft. Das heißt ihr Vater hat seine Frau geschlagen und eine Treppe herunter geschubst wodurch das Kind verletzt wurde und dadurch behindert geworden ist. Es gibt aber auch den Fall, dass eine gesund geboren wurde und sich irgendwann angefangen hat ins Gesicht zu schlagen. Mit der Zeit hat sie sich dadurch ihre Sehnerven kaputt geschlagen und hat auch ihr Gehirn beschädigt und ist somit jetzt behindert.
Um 15:45 uhr endet dann der Arbeitstag für die  Beschäftigten bevor alle ins Wohnheim gebracht oder abgeholt werden wird eine Schlusslied (Alle Leut’) gesungen. Dann wird noch alles aufgeräumt für den nächsten Tag und somit endet der Arbeitstag für die Mitarbeiter um 16:15 Uhr

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