Über Corona, Homeoffice und Corona

Es ist 05:30 Uhr, der Wecker klingelt. Soll ich wirklich aufstehen? Eigentlich müsste ich ja nicht. Bin ja jetzt im Homeoffice. Ich mache es trotzdem. Ich finde es wichtig, auch in diesen außergewöhnlichen Zeiten, Routinen zu haben und mir so ein Mindestmaß an Normalität zu bewahren.

Mit einem frischen Kaffee in der Hand geht es an den Schreibtisch. Erstmal einen Nachrichtenüberblick verschaffen oder, um es in den Worten Jean-Luc Picards (Captain des Raumschiff Enterprise) zu sagen: Schadensbericht. Neue Infektionszahlen, Hamsterkäufe, neue Tote, neue Experteninterviews, neue Worst-Case-Szenarien, neue Hoffnungsprognosen, neue Fakenews – (wie in den letzten zwei Wochen) eigentlich alles beim Alten… ein „dynamischer Prozess“ (schon jetzt mein Unwort des Jahres 2020). Fertiggemacht für die Heimarbeit (auch in Zeiten von Homeoffice kommt die Jogginghose für mich nicht in Frage) geht es, statt zum Auto, wieder an den Schreibtisch. Irgendwie fehlt mir die gut 25 minütige, musikbegleitete Fahrt zur Schule. Es fehlt das Verfluchen  der anderen Verkehrsteilnehmer morgens und mittags. Es fehlt das tägliche Kopfschütteln bei der Betrachtung elterlicher Parkkünste vor der Schule. Es fehlen die Menschen. Ich kann so nicht arbeiten.

Ok, ran an die Heimarbeit. Statt Unterrichtsgespräche zu führen, werden die ersten Mails bearbeitet. In den letzten Tagen quillt mein Postfach über. Neben dubiosen Mails listiger Bankmitarbeiter, die mit meiner Hilfe (bzw. meinen Kontodaten samt Geheimzahl) vergessene Millionenbeträge ergaunern wollen (SPAM), erreichen mich auch zahlreiche Schülermails. Mein Fehler… Was hat mich da bloß geritten, als ich bei den Aufgabenstellungen an meine EF-Kurse, die Q1 und Q2 um eine Zusendung der Arbeitsergebnisse gebeten habe??? Die Rücklaufquote: vorbildliche (geschätzte) 95%!!! Meine Befürchtung, die Schulschließung würde von einigen Schülern als Ferienzeit betrachtet, erweist sich als unbegründet. Das Angebot wurde genutzt und sehr gewissenhaft bearbeitet. Würde das doch auch im regulären Schulbetrieb so laufen. Handschriftliche Ausarbeitungen als Bilddatei oder PDF-Dokument. Worddokumente, tonunterlegte Power-Point-Präsentationen, PDF-Dateien, Apple-Pages oder ganze Ausarbeitungen als Mail. Digitalisierung, here weg go 🙂

Home-Office bedeutet aber auch: Statt mit Unterrichtsstörungen zu kämpfen, hadert man mit anderen Dingen des alltäglichen Lebens. Dem wilden Geklingel des Postboten, welches mir signalisiert: „Sie haben Post!“. Der Kaffeemaschine, die statt einfach nur 30 Cent wie in der Schule, plötzlich mit Pulver und Wasser gefüttert werden möchte. Oder dem Drucker, der sich weigert, ohne sein „systemrelevantes“ (weiteres Unwort für 2020) Magenta, Drucke in schwarz-weiß auszuspucken.

Aber auch im Home-Office endet der Arbeitstag. Zuhause bleiben, heißt das Gebot der Stunde. Manchmal muss man dennoch vor die Tür. Für die Woche einzukaufen, sonst eher ein notwendiges Übel, stellt sich aktuell als nette aber kuriose Abwechslung heraus. Wer zum Einkaufen sein Haus verlässt, kann es deutlich sehen: Neben Klopapier und Nudeln zählen Mehl und Hefe derzeit offenbar zu den wertvollsten Rohstoffen auf dem Planeten. Allerdings frage ich mich, wieso? (mittlerweile hat das Hamstern zum Glück etwas nachgelassen.) Falls die Apocalypse wirklich über uns hereinbricht, sollte das also besser möglichst schnell passieren. Sonst läuft bei den Unmengen an gebunkerter Hefe bald die Haltbarkeit ab. Und das wäre dann wirklich eine Katastrophe.

Tagesausklang: Um den Tag zu beenden lande ich gerne mal bei einem Streaming-Dienst wie Amazon Prime oder Netflix. Als ich zuletzt durch meine Empfehlungen gescrollt bin, musste ich mir allerdings ungläubig die Augen reiben: Auf Amazon stehen „Outbreak“ und „Contagion“ ganz oben auf der Liste. Und auf Netflix ist ausgerechnet jetzt eine Serie namens „Pandemie“ gestartet. Auch dort hat mich Corona irgendwie eingeholt. Ernsthaft? Da kann ich auch einfach die Nachrichten schauen… nicht ganz so hochkarätig besetzt wie die Serien und Filme, vom Inhalt her aber gleichwertig.

Zusammenfassung: Corona hat unser alltägliches Leben total durcheinandergebracht. Die Auswirkungen sind dabei recht individuell und mal mehr oder weniger große Herausforderungen, welche es nun zu meistern gilt. Auch wenn die Dauer dieses Zustandes momentan nur schwer vorauszusehen ist… ich wünsche mir, dass wir möglichst bald wieder einen Schritt in Richtung Normalität machen können. Dann kann ich wieder die Dinge machen, welche mir Spaß und Erfüllung bereiten. Dinge die ich in letzter Zeit als zu selbstverständlich wahrgenommen habe.

Liebe Grüße – bleibt gesund

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